Forschung bei Bayer

Forschung für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung

Die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung gehört zu den größten Herausforderungen, vor denen die Welt steht. Bis zum Jahr 2050 werden mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Gleichzeitig geht die Fläche verfügbaren Ackerlands zurück – als Folge von zunehmender Verstädterung, Versalzung oder Bodenerosionen. Und extreme Wettersituationen wie Dürre oder Überschwemmungen führen dazu, dass Ernten immer schlechter ausfallen. Bayer ist der weltweit drittgrößte Anbieter für die landwirtschaftlichen Produktionsmittel inno­vativer Pflanzenschutz und Saatgut. Wir wollen die Produktivität ­in der Landwirtschaft nachhaltig steigern.

Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

Im Bereich Pflanzenschutz (Crop Protection) verfolgen wir das Ziel, innovative, sichere und nachhaltige Wirkstoffe für den Einsatz als Insektizide, Fungizide und Herbizide zur Blatt- und Bodenanwendung oder als Saatgutbehandlungsmittel zu erforschen und zu entwickeln. Diese Substanzen werden auch für professionelle Anwendungen außerhalb der Landwirtschaft (Environmental Science) weiterentwickelt, etwa zur Schädlingsbekämpfung, zur Vektorkontrolle bei von Mücken übertragenen Erkrankungen sowie zur Unkrautbekämpfung und Pflege von Sport- oder Grünanlagen. Daneben forschen wir im Saatgut-Geschäft (Seeds) an der Optimierung neuer Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten für Baumwolle, Raps, Sojabohnen, Reis, Weizen und Gemüse. Unsere Forscher arbeiten daran, die Ertragskraft von Nutzpflanzen zu steigern und die Pflanzenqualität zu verbessern. Darüber hinaus entwickeln wir neue Pflanzeneigenschaften (Traits) für Herbizidtoleranz und Insektenresistenz auf Basis neuartiger Wirkmechanismen und einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und extremen Wetterbedingungen.

 

Crop Science verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Während die Forschung an einigen spezialisierten Standorten gebündelt ist, finden die Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln und Pflanzeneigenschaften sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchs- und Zuchtstationen weltweit statt. Unsere Wissenschaftler arbeiten in den Bereichen Saatguteigenschaften, Saatguttechnologie, Saatgutzüchtung, Agrarchemie und Biologika im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes eng zusammen. Die sich ergänzenden Kompetenzen aus Chemie und Biologie werden so optimal gebündelt.

 

Um Landwirten nachhaltige agronomische Empfehlungen aussprechen zu können, entwickeln wir digitale Produkte und Serviceleistungen, die sie u. a. mittels spezifischer Datenmodelle unterstützen, die Bedingungen auf dem Feld zu bewerten. Unser langfristiges Ziel ist es, Landwirten mit maßgeschneiderten Empfehlungen zu helfen, ihre Ernteerträge zu verbessern.

 

Unsere Produktpipeline enthält eine Vielzahl an neuen Pflanzenschutzprodukten, Saatgutsorten und Weiterentwicklungen (Life Cycle Management). Insgesamt schätzen wir das Spitzenumsatzpotenzial für die Produkte, die zwischen 2015 und 2020 auf den Markt gebracht werden bzw. wurden, auf über 5 Mrd. €. 2017 starteten wir Feldstudien zum Nachweis der technischen Machbarkeit von zwei neuen Wirkstoffen. Für das Jahr 2018 setzen wir uns das Ziel, Feldstudien zur technischen Machbarkeit von drei bis vier neuen chemischen / biologischen Wirkstoffen oder Pflanzeneigenschaften zu starten.

Einige unserer Forschungsschwerpunkte:

Steigerung der Ernten

Pflanzen leiden genauso unter Stress wie wir Menschen. Und ihr Stresspegel steigt. Ein Grund dafür ist der Klimawandel, der die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Dürren, Überflutungen und Temperaturschwankungen auf die Probe stellt.

 

Wir können diese Strapazen nicht gänzlich beseitigen, so gern wir das auch täten. Deshalb setzen wir in einem ersten Schritt dazu an, die Pflanzen widerstandsfähiger zu machen, damit sie auch unter schwierigen Bedingungen hohe Erträge produzieren.

 

Unsere Wissenschaftler versuchen beispielsweise, den Pflanzengenen die Geheimnisse der Stresstoleranz zu entlocken. Auch mit neuem Hybridsaatgut lassen sich die Erträge steigern – wie man an unserem Raps- und Reissaatgut erkennen kann, das bis zu 30 Prozent höhere Erträge gegenüber natürlich bestäubten Pflanzen liefert.

Digitale Landwirtschaft

Um Landwirten bessere agronomische Empfehlungen aussprechen zu können, entwickeln wir digitale Produkte und Serviceleistungen, die sie u. a. bei Analysen und der Bewertung von Bedingungen auf dem Feld unterstützen und ihnen umfassende geografische Informationen liefern, um verschiedenste Herausforderungen zu bewältigen.

Verbesserung der Eigenschaften von Pflanzen

Können wir eine Tomate schmackhafter oder eine Baumwollfaser stärker machen? Kann Reis noch gesünder werden oder eine Melone leichter essbar? Ja, lautet die Antwort. Und das sind nur einige Beispiele für eine Vielzahl von Eigenschaften, die wir bei Kulturpflanzen verbessern können.

 

Wir bringen tatsächlich jedes Jahr rund 70 neue Sorten von Gemüsesaatgut auf den Markt – jede davon bietet den Landwirten mindestens ein neues Merkmal, mit dem sie garantiert das Interesse ihrer Kunden gewinnen.

 

Rapsöl ist ein weiteres Beispiel für den unaufhaltsamen Fortschritt. Wir helfen den Anteil ungesunder Transfettsäuren, die im Verarbeitungsprozess entstehen können, zu reduzieren.

 

Und wie können die Landwirte, die das Unkraut auf ihren Feldern mit Herbiziden bekämpfen müssen, dafür sorgen, dass ihre eigenen Anbaukulturen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden? Wir machen ihre Pflanzen so stark, dass die Herbizide ihnen nichts anhaben können und sogar von ihnen abgebaut werden, und zwar mithilfe von Substanzen, die auch als Safener bekannt sind und schon seit 30 Jahren von Wissenschaftlern in anderen Anwendungen eingesetzt werden, oder mithilfe gentechnischer Verfahren, die die Pflanzen tolerant gegenüber Herbiziden machen.

 

Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Unsere TwinLink™-Technologie, die seit 2012 in den USA zum Markt zugelassen ist, kombiniert Herbizidresistenz mit einem effektiven Raupenschutz. Unser Anliegen ist es also, den Pflanzen zu helfen, sich gegen bestimmte Schädlinge, die ihr Überleben gefährden, zur Wehr zu setzen.

Verbesserung bestehender Pflanzenschutz-Produkte

Ein Produkt ist nur ein Schritt auf einer langen Reise. An der nächsten Ecke wartet immer ein noch besseres Produkt. Krankheitserreger entwickeln sehr schnell Resistenzen gegenüber bestimmten Behandlungen, sodass man ständig gezwungen ist, nach neuen Substanzen zu suchen, die solche Resistenzen unterbinden. Die spannendsten Durchbrüche gelingen immer dann, wenn wir uns ureigene Prozesse der Natur zunutze machen. Ein Beispiel hierfür ist das Insektizid Movento™, bei dem sich der Wirkstoff über den Pflanzensaft in der gesamten Pflanze verteilt – sehr zum Leidwesen aller Schädlinge, die sich von der Pflanze ernähren.

 

Eine weitere Erfolgsgeschichte unserer Labore ist das langwirkende Herbizid Alion™, das Unkraut in mehrjährigen Anbaukulturen wie Zitrusfrüchten, Nüssen, Trauben, Kern- und Steinobst bekämpft. Auch das Fungizid Luna™ zählt dazu; es bekämpft eine Vielzahl von Pilzerkrankungen auf den Feldern und hemmt die Fäulnisbildung während der Lagerung.

 

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Suche nach neuen Pflanzenschutzmethoden mithilfe biologischer Wirkstoffe, die zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen. Dazu zählen unsere Votivo™-Produktlinien zur Saatgutbehandlung und Natria™, ein Spritzmittel, das einen natürlichen Wirkstoff des Neembaumes enthält und saugende und beißende Schädlinge bekämpft.